Gespeichert von Alexander am Di., 12.11.2019 - 23:08

https://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kreis-giessen/lollar/klaus-zecher-baut-lollarer-bahnhof-zur-begegnungsstatte-um_20338793

Klaus Zecher baut Lollarer Bahnhof zur Begegnungsstätte um

Klaus Zecher erwarb vor fünf Jahren das Lollarer Bahnhofsgelände und baut es zur Begegnungsstätte um. "Es soll hier wieder Leben einkehren", beschreibt er das Ziel.

Von Erika Scherer

LOLLAR - Nachdem die Deutsche Bahn vor Jahrzehnten in Lollar ihre Dienstleistungen des Fahrkartenverkaufs und der Auskunft eingestellt hatte, fristete das alte Bahnhofsgebäude einen Dornröschenschlaf. Es waren dabei nicht nur die zunächst eingeschlagenen und später mit Brettern vernagelten Fensterscheiben, sondern auch eine durch Graffiti verunzierte Außenfront, die einen äußerst unschönen Anblick des Klinkerbaus aus dem Jahr 1878 bot, der an der Wende zum 20. Jahrhundert umgebaut worden war.

Viele Diskussionen hatte es in der Vergangenheit schon im Lollarer Parlament über die weitere Verwendung des Hauses gegeben, doch nichts führte zum Erfolg. Dazu kam, dass die Bahn nicht Eigentümer des Bahnhofsgebäudes war, sondern dieses einem Luxemburger Investor gehörte, der offensichtlich wenig Interesse an der Erhaltung der Bausubstanz hatte. Das zog sich über viele Jahre hin, bis Klaus Zecher, der politisch in seiner Heimatstadt Staufenberg und im Kreis tätig war, ins Spiel kam. Er hatte durch einen Zufall erfahren, dass der Investor das Bahnhofsgebäude veräußern wollte, und da er schon immer damit liebäugelte, bemühte er sich um den Kauf und erhielt auch den Zuschlag.

Sanierung in Eigenregie

Seit Ende 2014 ist er nun Besitzer des Bahnhofsgebäudes samt dem dazugehörenden Areal. Noch im gleichen Jahr stellte er einen Bauantrag, wobei ihm eine Verwendung als "Kultur- und Begegnungsstätte Bahnhof Lollar" vorschwebte, die nicht nur für Vereine, sondern für alle Bürger offen sein sollte. Da der frühere Bahnknotenpunkt laut Hessischem Denkmalschutz ein Kulturdenkmal ist, arbeitete er bei der Sanierung und Renovierung auch eng mit der Denkmalschutzbehörde zusammen. Es folgten Jahre der harten Arbeit, bei denen Zecher jede Minute seiner Freizeit für die Sanierung und Renovierung verwandte, denn er erledigte alles in Eigenregie. Dabei kam ihm zugute, dass er als gelernter Elektriker keine Probleme mit handwerklichen Arbeiten hatte, denn es waren nicht nur die kaputten Fenster, die er ersetzen musste, auch die ganze Heizungsanlage war schrottreif und bedurfte der Erneuerung.

Kleinod freigelegt

Das Gleiche galt für die Toiletten, und wo es nötig war, wurden Zwischenwände eingezogen. Dass er dabei sogar an einen Schlafraum dachte, wo Gäste, die beispielsweise an einer Hochzeitsfeier teilnehmen, auch mal übernachten können, wenn es nötig erscheint, zeugt von einem gut durchdachten Plan. Besonders stolz ist er auf ein Schild, das bei der Renovierung freigelegt wurde, das noch aus dem 19. Jahrhundert stammt, als das Gebäude errichtet wurde. Mit großen Buchstaben ist hier zu lesen: "Wartesaal III. und IV. Classe", wobei die Klasse noch mit C geschrieben wurde, wie es damals üblich war. Ein weiteres Relikt, einen Original-Fahrplan aus dem Jahr 1935, konnte er gerade noch retten, als ein übereifriger Helfer davon schon einiges davon an der Wand abgerissen hatte. Jetzt hat er das Ganze mit Glas geschützt, damit so etwas nicht noch einmal passiert. "Der 84 Jahre alte Original-Fahrplan soll als Zeugnis einer vergangenen Epoche sichtbar für alle an der Wand hängen bleiben", wie er es ausdrückte.

Gründliche Isolierung

Schon weit fortgeschritten ist er bei den Arbeiten im Veranstaltungsraum, der für Konzerte und Vorträge mitsamt einer Bühne genutzt werden kann und den er der Volkshochschule und den Schulen zur Verfügung stellen will. Aufwendig erwies sich hier die Isolierung, die benötigt wurde, da das sehr empfindliche Mikrofon sonst jedes Geräusch eines vorbeifahrenden Zuges übertragen hätte. Auch dies hatte er, mit der ihm eigenen Gründlichkeit, gemeistert. Außerdem möchte er wieder eine Gaststätte im Gebäude einrichten. Gerade ist er dabei, den noch vorhandenen Schankraum zu renovieren. "Es soll hier wieder Leben einkehren", wünscht sich Zecher. Wenn man sieht, mit welcher Energie er dabei ist, so kann man ihm nur alles Gute wünschen, damit seine Wünsche auch in Erfüllung gehen. Denn profitieren würden dabei alle, besonders auch die Stadt, die dadurch einen Treffpunkt für die Bürger bekommt.